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Epitaphien Stadtkirche

siehe Fotogalerie

 

Das Epitaph von Herzogin Agnes , gest . 4.11.1555 epitaph_agnes

So lebte ich, Agnes, bis heute, vom hessischen Blut abstammend, verheiratet mit zwei Herzögen von Sachsen, verwitwet vom ersten Gemahl, kam ich in dein Ehebett, Johann Friedrich. 27 Jahre wurde ich alt, durch den Tod gelöst, verschied ich in die himmlische Heimat, durch einen Tod, der nicht frei ist von dem Verdacht verabreichten Giftes.

Diese aus der lateinischen Sprache übersetzte Inschrift steht unter dem Bekenntnisbild des Marmorepitaphs für Herzogin Agnes. Der oben genannte Johann Friedrich (II) war der älteste Sohn von Johann Friedrich von Sachsen.
War Agnes tatsächlich das Opfer eines Giftmordes, da sie in das rivalisierende Fürstengeschlecht (Albertiner-Ernestiner) verheiratet wurde? Befürchteten die Ernestiner, dass Agnes Geheimes in das feindliche Lager der Albertiner tragen könnte? Andere Überlieferungen berichten, dass Agnes an den Folgen einer Fehlgeburt starb.

Letztlich kann über ihre Todesursache nur spekuliert werden.

Herzogin Agnes kniet in dem von Karyatiden (weibl. Statuen als Stützen eines Mauerwerks) gerahmten Mittelbild vor dem Kreuz. 
Ein Flachrelief, das die Geburt Jesu mit den sich nähernden Hirten darstellt, bildet mit vielen Renaissanceelementen den Hintergrund.
Unterhalb der Inschrift finden sich die Todessymbole: Totenkopf und Sanduhr. Doch diese Symbole verlieren ihre bedrohende Endgültigkeit durch die Abbildung auf der oberen Bildtafel „Die Auferweckung des Lazarus“ und durch die beiden unter der Inschrift auf einem kleinen Plateau springenden Frösche (Frosch als Symbol der Metamorphose, der Verwandlung in ein neues Leben). Und so ist auch die furchterregende Pranke auf dem Sockel (Pranke des Teufels?) gefesselt.
Dieses feinsinnige und unaufdringliche Epitaph ist ein Werk Sebastian Gromanns.


Das Epitaph von Herzog Johannepithaph_Johann_friedrich_III Friedrich III., gest. 31.10.1565

„…von dem sächsischen Kurfürsten abstammend ruht hier in der Erde der Fürst Johann Friedrich III., der dem um des Ruhmes Christi willen sehr vieles erduldenden Vater gleichkam an Naturanlage, religiöser Gesinnung und Glaubenstreue. Wahre Frömmigkeit war jenem eigen, geübt mit ernstem Eifer, durch den erglühend er keine unfrommen Lehren ertrug. Keusch war ihm das Herz und frei von Frevel der Körper, durch edle Studien gebildet sein Geist, freigiebig seine Hand. Die Muse schloss dem in Jena Sterbenden die Augen, nach 27 Jahren schwand er dahin…“
Konstitutive Elemente eines Bildepitaphs (griech. epitaphios: zum Begräbnis gehörig) sind das Bekenntnisbild, das Bildnis des Verstorbenen in Adoration und der Epitaphtext.
Der oben aus der lateinischen Sprache übersetzte Epitaphtext steht unter der Mitteltafel des Epitaphs von Johann Friedrich III., der der jüngste Sohn von Johann Friedrich von Sachsen war. Der Gestalt des knieenden und das Kruzifix anbetenden Herzogs im Mittelfeld sind allegorische Gestalten zugeordnet, vermutlich eine Kombination von christlichen und heidnischen Tugenden. Zu erkennen ist nur Justitia (Gerechtigkeit) mit der Waage und Caritas (Liebe) mit einem Kind.
Die Symbolik des schaurigen Totenkopfs direkt über dem Epitaphtext verliert ihre bedrohliche Kraft durch die Abbildung der Verklärung Christi links im Hintergrund des Mittelfeldes. Sie weist darauf hin, dass der Tod nicht endgültig ist. Unten sitzen die drei Jünger, auf dem Berge steht Christus mit Moses und Elias, oben schwebt Gott-Vater mit Krone und Weltkugel über den Wolken und einem Band, auf dem geschrieben steht:  Hunc audite (Höret diesen).
Karyatiden, die den Einfluss des antiken Geistes verraten, umrahmen den Epitaphtext.
 
Zwei Schlangen (Symbol des Todes) befinden sich unter dem Epitaphtext, gehemmt in ihrer Bewegung durch die renaissancebestimmte Ornamentik, während weiter unten ein Frosch (Symbol der Auferstehung) sich frei entfalten kann. Den krönenden Abschluss bildet ein auf den Wolken thronender Christus, dem rechts und links etwas tiefer je ein musizierender Engel beigeordnet ist.  

Marmorepitaph für Herzog Johann Wilhelm, gest. 1573

epithaph_Johann_Wilhelm„Deine Frömmigkeit schenkt Dir, Herzog Johann Wilhelm, dieses Grabmal, die Grabinschrift Dein tugendsames Leben. Hier liegst Du, vortrefflicher Fürst, Deine Gebeine bewahrt das Vaterland, das durch Deine Verdienste vergrößert, in Blüte steht. Nicht warst Du ein Körper ohne Herz. Deine Geisteskraft war an Ratschluss reich, nicht zögerlich in der Tat. Eifer um schlichte Rechtschaffenheit, glühendes  Bemühen um Sittlichkeit, beharrliche Sorge um Gerechtigkeit und Gottesfurcht wohnten Dir inne. Nur blieb diesen  Tugenden das ent- sprechende Alter versagt. Denn vor der Zeit wurdest Du durch den Tod dahingerafft.“
Dieser aus dem Lateinischen übersetzte Epitaphtext gehört zum Grabmal für Herzog Johann Wilhelm, dem  zweitgeborenen Sohn von Herzog Johann Friedrich von Sachsen.
Unter der Texttafel zeigt sich der Lebensbaum. Während sich eine Schlange (Sinnbild des Todes) um den oberen Teil des Baumstammes windet, kriecht eine weitere Schlange unten aus dem Stamm des Baumes heraus. Auf der linken Seite lugt ein Frosch (Symbol der Auferstehung) aus der renaissancebestimmten Ornamentik hervor. Doch beherrscht wird diese  Szene durch das Antlitz Gott-Vaters, das inmitten des Lebensbaumes in einer Fülle von Früchten sichtbar wird. Es nimmt nicht Wunder, dass die Karyatiden durch Adam und Eva mit bedeckter Blöße, also nach dem Sündenfall, ersetzt werden. In großen Lettern sind den beschriebenen Szenen folgende Worte beigefügt: DURCH FALSCHE LIST DIE GIFTIG  SCHLANGE DIE ERSTEN MENSCHEN LEYDER ZWANG DAS SIE VOM BAUM DES (LEBEN)S ASSEN UND GOTTES GEBOT SOBALT VERGAS(EN).
Der Lebensbaum wurzelt in einem lang ausgestreckten Leichnam. Um den Leichnam winden sich Schlangen. Zwei Kröten (Sinnbild des Dämonischen), die sich auf dem Leichnam platziert haben, scheinen dem Betrachter entgegenspringen zu wollen. Eine Gehäuseschnecke zu Füßen des Leichnams weist auf die Vergänglichkeit des Lebens hin. Doch aus dem Tod wächst neues Leben (Lebensbaum). Der oben genannte Frosch scheint dies bekräftigen zu wollen. Der Tod ist nicht endgültig. „Der Tod ist verschlungen in den Sieg.“ (1.Kor.15.55)
 

Epitaph für Herzog Johann Wilhelm ( 2. Teil)

Auf dem Mittelfeld des Epitaphs prangt der Herzog in voller Rüstung. Mit gefalteten Händen schaut er zum geöffneten Himmel empor, in dem ein kleiner Engel mit einem Schriftband sichtbar wird. In den Seitennischen sind die vier Evangelisten zu erkennen: Matthäus mit dem Engel und Markus mit dem Löwen oben, Lukas mit dem Stier und Johannes mit dem Adler unten. Auf den Kapitellplatten, das Haupt von Johann Wilhelm gleichsam einrahmend, erkennt der Betrachter links Johannes den Täufer in der für ihn typischen Gestik und rechts Christus mit der Dornenkrone, der auf den Kelch (Sinnbild des Neuen Bundes) herabschaut.

gottvater

Das Obergeschoss zeigt eine Relieftafel mit der Darstellung der Auferstehung Christi. Aus dem Giebelfeld darüber schwingt sich Gott Vater mit Krone und Weltkugel hinaus, greift mit seinem Arm über die Brüstung und weist auf den Auferstandenen hinunter, vorbei an der Taube des Geistes, die ihre Flügel ausspannt. Die gesamte Szenerie des Mittelfeldes endet in einem Wappen mit Helm und Helmzier, das von einem segnenden Jesuskind mit Weltkugel
gekrönt wird.Erwähnenswert sind auch die Vogelgestalten, die sich in den Seitennischen in gleicher Höhe mit der Reliefplatte der Darstellung des Auferstandenen befinden. Links der Phoenix, ein reines Fabelwesen, das durch seine Selbstopferung stirbt und nach drei Tagen wieder zum Leben erwacht (Sinnbild des Triumphes Christi über den Tod), rechts der Pelikan, der nach einer Legende seine eigene Brust aufreißt, um seine Jungen mit seinem Blut zu nähren (Symbol für die Aufopferung Christi für die Menschen).

Epitaph für Herzog Johann Wilhelm ( 3. Teil )

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Zu den ausdrucksvollsten und innerlichsten Darstellungen dieses Epitaphs gehören die beiden Reliefs, die sich in den Seitennischen des Unterbaus befinden. Links sehen wir die Verkündigung des Engels an Maria, rechts die Anbetung des Kindes in der Krippe.
Liebliche Engelputten schützen das göttliche Kind. Maria, die Mutter, schaut mit gefalteten Händen voller Inbrunst auf ihr neugeborenes Kind. Mit sich selbst zurücknehmender Gebärde scheint Josef mit der Gestik seiner Hand und dem nach vorne gerichteten Oberkörper dem anmutigen Kind Schutz verleihen zu wollen. Ein Lächeln huscht über sein gütiges Antlitz. Freudig richtet der Esel seinen Blick auf Josef. Scheint der Ochs, der sich so tief zu dem göttlichen Kind beugt, nicht auch etwas zu lächeln? Hirten schauen vorwitzig und doch voller Andacht  durch die Fensternischen auf das heilige Geschehen:
Jesus Christus, der Heiland ist geboren.
Damit haben Sanduhr und Totenkopf in den untersten Seitennischen des Epitaphs ihre unerbittliche Endgültigkeit verloren. In dieser frohen Botschaft ist der verstorbene Herzog Johann Wilhelm geborgen.
Dieses aussagekräftige Epitaph stammt von Sebastian Gromann.

Marmorepitaph für Herzogin Dorothea Susanna von der Pfalz, gest. 1592

Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.

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Die durchlauchtigste Fürstin Dorothea Susanna, Friedrich III, des Heil. Röm. Reichs Kurfürsten von der Pfalz Tochter, und Wilhelms, Herzogs von Sachsen,  Gattin. Treue Patronin der Kirche und der Schulen. Des Vaterlandes nicht so Herrin wie Mutter. Hafen und Zuflucht der Bedürftigen.
Durch lang währende Krankheit geschlagen, mit stets auf Gott gerichteter Seele, fromm und glücklich verschieden am 29. März im Jahre des Erlösers 1592, ihres Alters 47, 4 Monate, 10 Tage.
 
Weil Du lebst, so leb ich mit Dir, ich weiß es, o Christus Erlöser.
Weil ich lebe durch Dich, ist mein Tod mein Leben.
(Übersetzung der lateinischen Inschrift des Marmorepitaphs)
 
Dorothea Susanna von der Pfalz war die Gemahlin und spätere Witwe Herzog Johann Wilhelms (gest. 1573). Von ihrem aufwändigen Grabdenkmal ist nur der triumphbogenartig gestaltete Unterbau erhalten. Die beiden mittleren ionischen Vollsäulen stehen weiter vor, so dass zwischen ihnen in der Mitte eine Art Bühne für die Aufstellung der lebensgroßen knienden Beterfiguren entsteht:
die Herzogin links, vor ihr eine junge Frau mit offenem Haar, die also zum Zeitpunkt ihres Ablebens noch nicht verheiratet war, und ein kleines Mädchen, dem ein Laute spielender Puttenengel beigesellt ist. Wahrscheinlich handelt es sich bei diesen um die 19- bzw. 6-jährig verstorbenen Töchter der Herzogin. Ihre Blickrichtung ist nicht auf ein sichtbares Ziel gerichtet.
Ist es ein visionäres Kreuz, dem ihr Blick gilt?
Das christliche Programm des Denkmals ist auf den Tafeln der Seitenflügel dargestellt. Die beiden oberen enthalten die Verkündigung links und Geburt Jesu rechts, die beiden unteren die Aufrichtung der ehernen Schlange und die Taufe Christi. Eigenartig ist, wie beziehungslos die biblischen Bilder dem Hauptanliegen gegenüber stehen.

Epitaph für Herzog Friedrich Wilhelm I.,

Friedrich_Wilhelm_I
Herzog Friedrich Wilhelm I.gest. 1602, Sohn des Herzogs Johann Wilhelm, und seiner Frau Sophia von Württemberg, gest. 1590.
Inschriften
Sockel links, Herzog Friedrich Wilhelm
Hier wird Frömmigkeit, Rechtschaffenheit und was auch immer eines Fürsten würdig ist und die Zierde des Reiches mit Erde bestattet. Dies bezeugen der Kaiser, der Siebenmännerrat und der Staat, der wohlbehalten ist durch dessen Beratung, das Schwert Sachsens, das er zwei Jahrfünfte führte, der Friede im Innern und die Türkischen Kriege fern der Heimat.
Unter Deinem Fürstentum blühte das Reich, die Religion, das Volk, der Hof des segenspendenden Sachsen. Lernt es, Ihr Großen, mit diesen Tugenden muss die ewige Liebe der Menschen und Gottes gewonnen werden. Beweinet mit mir aber in liebevoller Gesinnung den Herrn, den Vater und den Gatten, Untertanen, Gattin, Hof, kleine Söhne! Es bleibt die Hoffnung auf ein weiteres ewiges Leben, die Trauer muss ein Maß haben. Du lebe, Fürst Friedrich Wilhelm, im Himmel! Unwürdig war die Welt eines so großen Geschenkes.
Sockel rechts, Herzogin Sophia
Während die tugendsame Fürstin einen Knaben verspricht, gebiert sie eine Fehlgeburt und stirbt mit blutendem Schoß. Groß war ihre Frömmigkeit, ihre Klugheit größer als ihr Geschlecht.
Äußerste Lauterkeit in der Lebensführung war der Mutter eigen. Eine würdige Zierde meines Vaterlandes, fromm, würdig des Gatten, um ihrer Tugend willen würdig, ewig zu leben. Von Wichtigkeit ist es, schon von zarter Jugend das Heilige zu bedenken, denn die Alten wissen, was sie als Kinder gelernt haben. Ihr Tod war ihrem Leben ähnlich, standhaft ihr Bekenntnis zum Wort, einzig Gott galt ihre Sorge, als sie starb. Und weil sie sich diese in Voraussicht vom erlauchten Gatten bestätigen ließ, beschreitet sie tapfer den Weg alles Fleisches.
Christus, für Dich lebte die Fürstin, für Dich, Christus, ist sie gestorben. Deinen Händen sind Tod und Leben anvertraut. Wer für Christus lebt und sterbend zu ihm hinsinkt, geht durch den Tod in das ewige Leben.
 
 

Epitaph für Herzog Friedrich Wilhelm I und seiner Gemahlin Herzogin Sophia von Württemberg 2. TeilFried_Wilhelm_Zetrum

Herzog Friedrich Wilhelm I ist der älteste Sohn von Herzog Johann Wilhelm. Sein Grabdenkmal steht genau gegenüber dem seines Vaters. Kräftige korinthische Doppelsäulen flankieren das Mittelfeld, auf dem das betende Herrscherpaar mit seinen beiden Söhnen und den drei Töchtern kniet, wieder in voller Plastik, aber einander zugewandt, den Blick auf den Kruzifixus gerichtet.
Zwei von Engelputten gehaltene Inschriftkartuschen oberhalb der Köpfe der Verstorbenen beinhalten Angaben über das Herzogpaar.
Hinter den Doppelsäulen öffnen sich Figurennischen, in denen links Moses mit den Gesetzestafeln auf dem Knie und rechts Johannes der Täufer in der für ihn typischen Gestik - er weist mit der Hand auf den Gekreuzigten hin - erscheinen. Auf zurückspringenden Konsolen sind neben den Doppelsäulen außen noch zwei weitere Figuren sichtbar, die die klare Gliederung des Mittelteils aufbrechen: Sie stellen die Tugenden Caritas (Liebe/Frau mit dem Kind) und Fides (Glaube/Frau mit dem Kreuz) dar. Moses wird auf der linken Seite die Fides, Johannes dem Täufer auf der rechten Seite die Caritas zugeordnet.
Offensichtlich gehört das Mittelfeld dieses Epitaphs der Gesetz- und Gnadedarstellung an, die gemeinhin als Verbildlichung reformatorischer Theologie interpretiert wird: Der Mensch ist sündhaft und bedarf des mosaischen Gesetzes (vgl. hier die Figur des Moses mit den Gesetzestafeln), um sich seiner Sündhaftigkeit bewusst zu werden, allein die liebende Hingabe Christi kann den sündhaften Menschen vor Gott rechtfertigen (vgl. hier die Figur von Johannes dem Täufer, dem die Caritas zugeordnet ist, und der auf den Kruzifixus hinweist), allein der Glaube (vgl. hier die personifizierte Fides) schenkt dem Menschen das Heil.
Zu Füßen des Herzogs schlängelt sich nicht nur eine Eidechse, sondern auch ein Frosch erhebt sich. Beide Tiere symbolisieren die Auferstehung (Eidechse auf Grund ihrer Häutung, Frosch wegen seiner Metamorphose von der Kaulquappe zum Frosch). So darf die herzogliche Familie von der Hoffnung getragen sein, dass der Tod nicht das Ende des Lebens ist.

Epitaph für Herzog Friedrich Wilhelm I und seiner Gemahlin Herzogin Sophia von Württemberg. 3. Teil

Besonders eindrucksvoll sind die Reliefs des Unterbaus. Die Jonasgeschichte im Mittelbilde - ein besonderes Motiv der altchristlichen Kunst - versinnbildlicht die Auferstehungsthematik in mehreren Szenen: Das Meer ist aufgewühlt durch ein furchtbares Unwetter. Einer der Schiffsleute betet zu Gott, der rechts oben als „ sol invictus“ (Strahlenkranz) aus den Wolken hervortritt. Ein anderer Schiffsmann wirft Jonas, der bekannt hat, dass um seinetwillen sich dieser schreckliche Sturm erhob (Jona 1,12), in das tosende Meer. Ein Walfisch hat schon sein riesiges Maul geöffnet, um Jonas zu verschlingen. Doch Jonas ist nicht verloren. Drei Tage und drei Nächte weilt er im Leib des Tieres. Dann speit ihn das Ungeheuer aus. Noch haftet sein Fuß im gewaltigen Rachen des Walfisches, doch Jonas´ Blick ist auf Gott, seinen Herrn, gerichtet und Gottes Blick ruht und ruhte in all den dargestellten Szenen ständig auf ihm. Das ist die theologische Botschaft: War die Situation für Jonas auch noch so gefahrvoll, Gott war immer mit ihm, auch in den tiefsten Abgründen seines Lebens.
Auf der linken Seite befindet sich Simson in Siegerpose, symbolisiert durch den empor gehaltenen Eselkinnbacken, mit dem er tausend Philister erschlug (Richt.15,9 ff), auf der rechten Seitentafel packt der siegreiche David das Haupt des Goliath am Schopf, während er dessen gewaltiges Schwert über der Schulter hält (1Sam.17,40 ff).
Sowohl Simson als auch David nehmen als Sieger Bezug zu der Charakterisierung Christi als Sieger über den Tod. Bedeutsam für den Glaubenden ist, dass auf beiden Seitenreliefs Türme, Zinnen und Kuppeln, ja sogar ein Kirchlein mit Dachreiter zu sehen sind. Der zeitliche Abstand spielt keine Rolle: Nicht nur den alttestamentlichen Helden gilt Gottes Verheißung, sondern uns allen, hier und heute.
Über dem Gebälk des Hauptgeschosses wird auf einer großen Relieftafel das Weltgericht dargestellt. Auf der linken Seite werden Adam und Eva in die ewige Seligkeit geführt, während auf der rechten Seite die Verdammten in den weit geöffneten Höllenrachen stürzen. Den bekrönenden Abschluss bildet eine Figur Christi als Weltenrichter.

Epitaph für Herzog Johann, gest. 1605, 2. Sohn des Herzogs Johann Wilhelm, und seiner Gemahlin Herzogin Dorothea Maria, gest. 1617.

 

johann_III

Inschriften
 
Rechte Seite, Herzog Johann
Gott, dem Allgütigen, Allmächtigen, dem Heiligsten
Dem durchlauchtigsten Fürsten Herrn Johann, Herzog von Sachsen, Landgrafen von Thüringen, Markgrafen von Meißen, dem Schmuck der Familie, dem Haupt der sachsen-weimarischen Linie, dem so sehr vermissten Gatten, dem so hoch verdienten Vater, dem Vater des Vaterlandes, dem Ernährer der Kirche, dem Erneuerer der Universität Jena, dem Zufluchtsort der Unterdrückten, geboren in Weimar am 22. Mai im Jahre 1570, und ebendort heiligmäßig verschieden am letzten Tag des Oktobers im Jahre 1605 ließen Dorothea Maria, Fürstin von Anhalt, als Gattin und Witwe und die Söhne, acht Waisen, seufzend und trauernd dieses Denkmal aus thüringischem Marmor ihres Hoheitsgebietes im Jahre 1617 errichten.
 
 
Linke Seite, Dorothea Maria
Der Herrin Dorothea Maria, der Witwe Herzog Johanns von Sachsen, aus anhaltinischem Geschlecht, der Landgräfin von Thüringen, der Markgräfin von Meißen, der sehr frommen Mutter, die, erzogen im echten Glauben, ihrem Gatten mit angeborener Frömmigkeit als wahre Gabe ihre Schamhaftigkeit zum Geschenk machte. Ohne Streit, ohne irgendwelche Kränkung lebte sie fast 12 Jahre mit ihm. Dem Lebenden gebar sie 11 Söhne, dem Bestatteten eine nachgeborene Tochter. Den Verstorbenen betrauerte sie ständig durch 12 Jahre der Witwenschaft, allein auf Gott setzte sie ihre Hoffnung. Unablässig betet sie, Nächte und Tage. Zu Reinhardsbrunn ließ sie ein Gotteshaus und einen prächtigen Altar auf den Trümmern erbauen. Dankbar Gott und frommen Sinnes der Asche der dort bestatteten Vorfahren gegenüber wollte sie nicht, dass die Burg Königsberg einer Kapelle entbehre. Mit Umsicht und Klugheit sorgte sie für ihre verwaisten Kinder privat und öffentlich
 
 
Inschrift , linker Portalpfeiler Dorothea Maria   (Fortsetzung)johannIII__Dorothea_Maria_von_Anhalt

Unglück ertrug sie mit Tapferkeit, Besonnenheit und unglaublicher Hoffnung. Sie erwog die Wege ihres Hauses. Den Kirchen und den Schulen öffnete sie die niemals verschlossene Hand, ganz besonders in ihrem Testament. Die Stadtkirche und einzelne Kirchen ihres Witwengutes ehrte sie mit Legaten. Als erste stattete sie die Jenenser Hochschule durch ein Vermächtnis von 20 000 Florentiner Goldgulden aus. Freigebig vergrößerte sie denen, die nach der neuen Schulmethode zu unterrichten beabsichtigten, den Sold (1). Zu den Krankenhäusern und zu den Armen streckte sie ihre wohltätigen Hände aus. Für ihren Gemahl und sich selbst ließ sie bei voller Gesundheit dieses Denkmal errichten. Kaum war es vollendet, geriet sie unvermutet in Lebensgefahr, wehe! durch einen unglückseligen Sturz am 30. Juni dieses Jahres 1617 (2). Durch göttliche Fügung gerettet, fing sie ein wenig später an zu kränkeln und hauchte hier in Weimar am 18. Tage des folgenden Juli ihre schon vorher Gott geweihte und ihm von neuem anvertraute Seele unter Gebeten und unermüdlichen Seufzern von Gott erhört um die 7. Abendstunde aus. In Dessau am 2.Juli im Jahre 1574 geboren, wurde sie gerade 43 Jahre und 16 Tage alt. Johann Ernst der Jüngere von Sachsen, mit Jülich, Kleve und Meißen und die übrigen 7 Söhne ließen aus ewiger Dankbarkeit und Liebe unter Tränen am Tag der Beisetzung, der der 5. Tag des Monats August im vorher genannten Jahre 1617 war, diese Inschrift setzen.

(1) Die Herzogin, die an der eigenen Bildung- sie war des Hebräischen kundig- am Unterricht ihrer Kinder und den Schulen des Landes sehr interessiert war, führte in ihrem Land eine neue Schulmethode ein, die ihr der Pädagoge W. Ratichius zur Kenntnis gebracht hatte.
(2) Auf einem Ritt von Oberweimar nach Weimar scheute das Pferd und stürzte mit der Fürstin in den Fluss.
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Epitaph für Herzog Johann III. von Sachsen, gest. 1605, 2. Sohn des Herzogs Johann Wilhelm, seine Gemahlin Dorothea Maria von Anhalt, gest. 1617, und für deren 12 Kinder.

Dem Betrachter fällt auf, dass nicht mehr das herzogliche Paar das Mittelfeld des Epitaphs einnimmt.
Anders als bei den vorher beschriebenen Epitaphien, die den Geist der Renaissance atmen, tritt nun das biblische Geschehen eindeutig in den Vordergrund. Herzog Johann und seine Gemahlin sind nur noch teilnehmende Zuschauer der fast dramatisch gestalteten neutestamentlichen Szenen im Mittelfeld. Der Geist des Barock kündigt sich an. Das Grabmahl wurde 1617 von einem Sohn des herzoglichen Paares im Todesjahr der Mutter aufgestellt.
Dieses jüngste Grabmahl ist das aufwändigste von allen. Den Unterbau des Grabmals bildet ein korbbogiges Portal mit vier vorgerückten Säulen, das in die Taufkapelle führt.
Auf dem Portalgesims knien 10 Kinder des Herzogpaares, den Blick nach Westen gerichtet.
Ihre Namen sind auf kleinen Schrifttafeln verzeichnet. Ganz vorne vom Mittelschiff der Kirche aus gesehen kniet der spätere Herzog Bernhard, der sich im 30-jährigen Krieg in besonderer Weise auszeichnete.
Im Hauptgeschoss ist die Gethsemane-Szene (Mt 26,36ff) in drei Abschnitten mit lebensgroßen
vollplastischen Figuren entwickelt: Unten sitzen die schlafenden Jünger. Petrus und Johannes sind zueinander gewandt, während Jakobus an den Rücken des Johannes gelehnt ist. Ein Felsenstück, das einen Kelch trägt, erhebt sich über Jakobus. Über Johannes und Petrus wird großfigurig der betende und kniende Christus sichtbar, dessen Antlitz sich fast abrupt zu einem von rechts  herabschwebenden Engel dreht. Dieser Engel trägt ein großes Kreuz, sein Kreuz.
In den Seitennischen des Hauptgeschosses knien der Herzog und die Herzogin mit zwei ihrer 12 Kinder. Des Herzogs Geste – er hat die Rechte auf seine Brust gelegt – zeigt, wie sehr ihn die dargestellte Gethsemane-Szene berührt. Auch die Körperhaltung der Herzogin drückt tiefe Ergriffenheit aus.
 
 
Soehne_Johann_III
Traditionell nehmen die Söhne des Herzogs die Blickrichtung und Körperhaltung des Vaters, die Töchter die der Mutter ein. So ist es zu verstehen, dass 10 Söhne des herzoglichen Paares, die hintereinander auf dem Portalgesims knien, sich zum Kirchenschiff, also mit Blick nach Westen wenden in der gleichen Blickrichtung und Körperhaltung ihres Vaters, der mit seinem Sohn Wilhelm, dem Stifter der Linie Sachsen-Weimar, in der rechten Seitennische des Hauptgeschosses kniet.
Während der Blick der Herzogin mit der erst nach dem Tod ihres Gemahls geborenen Tochter und der des Herzogs mit seinem Sohn Wilhelm auf das Geschehen am Ölberg ausgerichtet ist, haben die 10 Söhne in dieser Darstellungsweise kein Ziel im Bildwerk selbst, da die Gethsemane- Szene sich über ihren Köpfen abspielt. Doch ihr Vater bezieht diese in das heilige Geschehen mit ein, indem er mit seiner Linken gleichsam fürbittend auf seine 10 Söhne hinweist.
Zwei gegenüber- und vorstehende Säulen geben nicht nur einen Rahmen für die Gethsemane -Darstellung, sie steigern auch deren Tiefenwirkung und vermitteln den Eindruck einer Bühne, auf der das heilige Geschehen inszeniert wird. Auch bieten sie Raum für die Aufstellung von zwei Putten mit Todessymbolen, Totenkopf, gesenkter Fackel, Sanduhr: Symbole für das Ende des irdischen Lebens. Aber es ist nicht das Ende. Denn über der Gethsemane - Darstellung erhebt sich eine andere nicht minder beeindruckende Szenerie: Mit großer Gebärde tritt der AUFERSTANDENE aus dem Rahmen heraus. Die Hüter seines Grabes sind nur noch teilweise im Bildfeld des Auferstandenen, ihre Stütze finden sie nur im Gesims des Mittelfeldes. Sie sind ihrer Funktion ledig geworden.
Denn JESUS CHRISTUS ist wahrhaft auferstanden. Totenkopf, Sanduhr, gesenkte Fackel haben jegliche Bedrohlichkeit verloren.
FÜRCHTET EUCH NICHT! (Mt. 28.10)
 
 
 Elisabeth Asshoff
 
 
EliaEpitaph für Herzog Friedrich Wilhelm I., gest. 1602,
Sohn des Herzogs Johann Wilhelm, und seiner Frau
Sophia von Württemberg, gest. 1590.
Inschriften
Sockel links, Herzog Friedrich Wilhelm
Hier wird Frömmigkeit, Rechtschaffenheit und was auch
immer eines Fürsten würdig ist und die Zierde des Reiches
mit Erde bestattet. Dies bezeugen der Kaiser, der
Siebenmännerrat und der Staat, der wohlbehalten ist
durch dessen Beratung, das Schwert Sachsens, das er
zwei Jahrfünfte führte, der Friede im Innern und die Türkischen
Kriege fern der Heimat.
Unter Deinem Fürstentum blühte das Reich, die Religion, das Volk, der Hof des segenspendenden
Sachsen. Lernt es, Ihr Großen, mit diesen Tugenden muss die ewige Liebe der Menschen
und Gottes gewonnen werden. Beweinet mit mir aber in liebevoller Gesinnung den
Herrn, den Vater und den Gatten, Untertanen, Gattin, Hof, kleine Söhne! Es bleibt die Hoffnung
auf ein weiteres ewiges Leben, die Trauer muss ein Maß haben. Du lebe, Fürst Friedrich
Wilhelm, im Himmel! Unwürdig war die Welt eines so großen Geschenkes.
Sockel rechts, Herzogin Sophia
Während die tugendsame Fürstin einen Knaben verspricht, gebiert sie eine Fehlgeburt und
stirbt mit blutendem Schoß. Groß war ihre Frömmigkeit, ihre Klugheit größer als ihr Geschlecht.
Äußerste Lauterkeit in der Lebensführung war der Mutter eigen. Eine würdige Zierde
meines Vaterlandes, fromm, würdig des Gatten, um ihrer Tugend willen würdig, ewig
zu leben. Von Wichtigkeit ist es, schon von zarter Jugend das Heilige zu bedenken, denn die
Alten wissen, was sie als Kinder gelernt haben. Ihr Tod war ihrem Leben ähnlich, standhaft ihr
Bekenntnis zum Wort, einzig Gott galt ihre Sorge, als sie starb. Und weil sie sich diese in Voraussicht
vom erlauchten Gatten bestätigen ließ, beschreitet sie tapfer den Weg alles Fleisches.
Christus, für Dich lebte die Fürstin, für Dich, Christus, ist sie gestorben. Deinen Händen sind
Tod und Leben anvertraut. Wer für Christus lebt und sterbend zu ihm hinsinkt, geht durch
den Tod in das ewige Leben. Elisabeth Asshoff

Termine der Herderkirche

VESPER
samstags 17 Uhr

GOTTESDIENST
sonntags 10 Uhr

OFFENE KIRCHE
Mo–Sa 10–12 Uhr und 14–16 Uhr
Sonntag 11–12 Uhr und 14–16 Uhr

MITTAGSGEBET
montags-donnerstags
12:00–12:07 Uhr

FRIEDENSGEBET
freitags 12:00–12:07 Uhr

FÜHRUNGEN
Kirchenführung
Montag und Freitag 14 Uhr

Altarführung
Samstag 15 Uhr
3,- pro Person

WEITERE FÜHRUNGEN
Geführte Gruppen zahlen
1 € pro Person.
Anmeldungen für Führungen
im Kirchenladen oder unter
(03643) 90 31 82

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